Auszeit

Der Temperatursturz macht mir zu schaffen.

Am Samstag saß ich noch auf der Terrasse vom Hunsinger und las in der Sonne ein Buch.

Am Montag zittere ich trotz langärmligem Angoraleibchen und Wollsocken vor Kälte. Ich flüchte ins Bett. Selbst eine Bettflasche sowie zwei Katzen auf bzw. unter der Bettdecke schaffen keine Abhilfe. Erst nach mehrstündigem Mittagsschlaf wache ich auf und fühle mich besser.

Selfie im Hoodie.

Selfie im Hoodie.


Anstrengende Monate liegen hinter mir. Die Woche in München war hochinteressant, aber nicht unbedingt erholsam. Ich fühle mich erschöpft.

Ich hatte beschlossen, nach meiner Rückkehr aus München eine Woche zuhause zu verbringen – mit meinem Mann, der zur Zeit auf Arbeitssuche ist. Auch wenn es schön ist, mehr Zeit miteinander verbringen zu können, bin ich doch erleichtert, dass das Ende seiner Interimszeit zwischen nicht-mehr und noch-nicht-wieder-angestellt in greifbare Nähe gerückt scheint. Es bleibt eine belastende Situation für alle direkt und indirekt Betroffenen.

Eine Woche Kraft schöpfen also für die Herausforderungen der nächsten Monate: Arbeit, Abschied vom Sommer und alles Neue, was das kommende Jahr bringen mag.

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München, Montag: Wer nicht weiß ist, trägt schwarz

Heute schlenderte ich in Begleitung meiner Freundin Beate durch die Münchner Innenstadt. Undenkbar, dass Dresden an einem Montag so voller Menschen wäre.

Wir besteigen den Alten Peter. Hinterher stehen wir mit zitternden Beinen in einer Boutique im Alten Rathaus. Ich finde eine Haarklammer, die mir als die Lösung all meiner Probleme erscheint, aber selbst die Aussicht auf ein konfliktfreieres Leben ist mir keine 18 Euro wert.

Im Oberpollinger, einer ehemaligen Karstadt-Filiale, in der sich internationale Luxusmarken eingemietet haben, sind wir außer den Verkäuferinnen hinter den Parfümtheken und in den Handtaschenläden die einzigen Europäerinnen. Die Klientel besteht zu 99 Prozen aus gut betuchten Araberinnen, im Wort- wie im übertragenen Sinn. Obwohl alle verschleiert, wissen sie ihren Reichtum durch edel fließende Stoffe, Unmengen an Schmuck und schier unglaubliche Duftwolken zur Schau zu tragen. Draußen auf der Einkaufsmeile setzt sich das Bild fort: wer nicht weiß ist, scheint schwarz zu tragen. Ein Heer aus Niqabs und Tschadors, extra eingeflogen, um München leer zu kaufen.

*

Abends hat meine Freundin einen Termin; das Schlendern durch die Münchner Innenstadt hatte mich müde gemacht und ich blieb allein zuhause.

Ich beschloss, eine Stunde zu ruhen und döste sofort ein.

Anschließend bereitete ich, nur für mich, ein Abendbrot de luxe zu. Ich koche in letzter Zeit so selten selbst, dass ich es genoss, die Zubereitung in aller Ruhe zu zelebrieren.

Tapas a la casa.

Tapas a la casa.

Ich bereite Guacamole aus überreifen Avocados zu. Limette, Cherrytomaten, Knoblauch, Salz, Pfeffer; in der fremden Küche findet sich alles. Dazu Birnenspalten, verschiedene spanische Käsesorten, Oliven, ein gefülltes Weinblatt. Und ich entdecke Chorizo im Kühlschrank, die ich mit ein paar Knoblauchzehen in Ermangelung von Cidre in Apfelsaft siede, dem ich ganz zum Schluss einen Schuss Weißwein beigebe. Einzig ein paar Scheiben Baguette hätten das Ganze abgerundet.

Beim Essen blättere ich durch ein opulent bebildertes Kochbuch, an dem meine Gastgeberin mitwirkte: Genießer unterwegs: Spanien und Portugal. Ich war noch nie in Portugal. Und ich möchte wieder nach Andalusien.

Eine Handvoll meiner Asche, heimlich auf der Alhambra verstreut: so möchte ich dereinst enden. Mir ist egal, wer das auf sich nehmen möchte und wie – ich wollte es nur schon mal gesagt haben.

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Nachkriegsbaldachin

Nachkriegsdecke (1956), Mariahilfkirche, München.

Nachkriegsdecke (1956), Mariahilfkirche, München.

(Erinnert mich an die„ferm LIVING“ spear-Kollection …)

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Als das Vergangene die Zukunft schien

Gebäudeschmuck in München.

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Dame ohne Unterleib

Schaukasten in München.

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Smaragdfassade (Weissenburger Platz)

Smaragdfassade, Weissenburger Platz.

Smaragdfassade, Weissenburger Platz.

 

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Auszeit

Dieser Moment war in den letzten Tagen mein Silberstreif am Horizont.

Dieser Moment war in den letzten Tagen mein Silberstreif am Horizont.

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Momentaufnahme

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Ein Augenblick Liebe? Gebt mir La Boum!

So selten, wie ich seit Jahren ins Kino gehe (die guten Serien im bösen Fernsehen sind schuld), wäre Ein Augenblick Liebe (Une rencontre, FR 2014) niemals auf meiner “Falls ich es doch mal wieder ins Kino schaffen sollte”-Liste gelandet. Aber wie gesagt, es war Freitag, ich durch, und ich hatte ein Date mit meinem Mann. Unter diesen Voraussetzungen entschieden wir uns für das Naheliegende: einen Dreier mit einer Frau, auf die wir uns einigen konnten – Sophie Marceau.
(Vor Jahren hätte mich die Schöne fast meinen damaligen Job bei einem beliebten Blättchen gekostet, das inzwischen seinen gastritischen Beschwerden erlegen ist – aber zum Glück für Mme Marceau bin ich nicht nachtragend.)

Der erste Gedanke angesichts ihres Erscheinens auf der Leinwand: die Zeit ist nicht spurlos an der 48-jährigen Aktrice vorüber gegangen. Die Pausbäckchen des La-Boum-Teenies sind feinsten Fältchen um die Augen gewichen. Who cares? Mein Mann brachte es mit der Einschätzung „Man schaut sie einfach gerne an!“ auf den Punkt. Und wer diese Feststellung für oberflächlich hält, sollte jetzt nicht weiterlesen, den ich nehme diese Aussage gleich als abschließendes Gesamturteil über diese „RomCom-made-in-France“ vorweg.

Selbiges kann man übrigens nicht von François Cluzet behaupten. Zumindest nicht, nachdem einem die fast schon groteske Ähnlichkeit zu Dustin Hoffmann auffällt, der ja schließlich auch nicht von ungefähr nie als Romantic Lead gecastet wurde. Egal – wenn Jean Paul Belmondo und Gerard Dépardieu jemals etwas bewiesen haben, dann, dass man kein schöner Mann sein muss, damit einem die Frauen zu Füßen liegen. (Wenn allerdings je einer das Gegenteil bewiesen hat: bitte hier entlang …)

Es begegnen sich also Elsa (Marceau), erfolgreiche, alleinerziehende Schriftstellerin, und Pierre (Cluzet), verheirateter Familienvater und ebenso erfolgreicher Staatsanwalt. Der beste Freund stellt sie einander vor, der Rest ist die übliche Boy-Meets-Girl-Narrative, auf der alle großen heteronormativen Liebesgeschichten beruhen. Muss ich jetzt nicht wirklich aufdröseln, oder?

Mit der kleinen Einschränkung, dass Elsas Prinzipien eine Affäre mit einem verheirateten Mann ausschließen und Pierre Heldentum so definiert: [kleiner SPOILER]: „Man wird heutzutage nicht zum Held, wenn man seine Frau verlässt, sondern wenn man bei ihr bleibt.“

Das ist zwar alles hübsch politisch korrekt, trägt auf Dauer aber keinen Spielfilm, egal wie sehr der nur prickeln will wie einst Schöfferhofer “in mein Bauchnabel”.

Die daraus entstehenden realen und vermeintlichen Dilemmata sind stilistisch durchaus witzig in Szene gesetzt, indem die Filmästhetik Symbole und Phänomene aus der Welt der Social Media imitiert. Anfänglich ist das Spiel mit verschiedenen Ebenen – real oder imaginiert – durchaus spannend. So kann es schon mal sein, dass es kurz vor der fleischlichen Erfüllung zum Buffering kommt. Auf Dauer aber laufen sich diese visuellen Mätzchen tot.

Den deutschen Titel „Ein Augenblick Liebe“ finde ich übrigens nicht gelungen, weil er die Geschichte mit einer Eindeutigkeit versieht, die diese gar nicht besitzt. Bezeichnenderweise enthält sich der Originaltitel „Une Rencontre“ jeglicher Einordnung, was die Natur dieser Begegnung anbelangt. Wenn man sie denn mit einem Etikett versehen muss, warum dann nicht „Lust“ statt „Liebe“? Was das Ehepaar Solal verbindet, darf sich meinetwegen Liebe nennen: es ist gewachsen in langen Jahren, gefestigt durch gemeinsame Kinder, und gestärkt durch die Seite an Seite gemeisterten Schwierigkeiten des Alltags.

Die Frage, die mich seither nicht mehr loslässt (und deretwegen ich mir überhaupt die Zeit nehme, dieses ästhetisch ansprechend gemachte, aber harmlose Filmchen zu rezensieren): warum wird hier nicht über das geredet, worum es wirklich geht?

Nennt es Hormone, nennt es Chemie, nennt es Fleischlichkeit – letztlich sehen wir zwei Figuren zu, die die Lust gepackt hat, und die diese zugunsten patriarchalisch-hegemonialer Normen [SPOILER] brav negieren.

Damit will ich nicht sagen, dass es ein besserer Film geworden wäre, wenn Elsa und Pierre sich als rücksichtslose Arschlöcher erwiesen hätten, denen Treue und Fürsorge scheißegal ist. Nein. (Es wäre vielleicht ein brauchbarer Softporno dabei ‘rumgekommen.)

Ich kenne die anderen Film der Regisseurin Lisa Azuelos (die übrigens die Ehefrau Pierres durchaus sympathisch mimt) nicht. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sie eigentlich genau jenen Film drehen wollte, den ich gerne gesehen hätte: eine ehrliche, erwachsene, mehrdeutige Erkundung des Themas, wie es um die Lust (und meinetwegen auch die Liebe) der Generation Anfang 50 steht. Und ich frage mich, wer hier alles dazwischen gefunkt hat, dass am Ende dieses belanglose, nicht einmal 90-minütige Lifestyle-Video dabei herauskam. Die Hauptdarsteller mögen körperlich nicht gar so knackig daher kommen; die Handlung ist glatter (um nicht zu sagen: infantiler) als La Boum. Denn Die Fete besaß wenigstens die Ehrlichkeit zu sagen, hier geht’s ums Fummeln.

Was ich aus dem Film mitnehmen werde? Den Satz „Lacan meets Loriot“, den ich auf jeden Fall mal in einer Rezension unterbringen muss.

Und den sehr sommerlichen, funky Soundtrack, der Perlen wie Wax Tailors trippy Remix des Klassikers „Que Sera“ sowie das fantastische, Disco-inspirierte „Crave You“ von Flight Facilities feat. Giselle enthält. Auch Minnie Ripertons „Inside my Love“, das schon bei Jackie Brown funktionierte, darf mit ihrem Pfeifregister für Extase sorgen.

Nun ja. We’ll always have Paris.

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Auf der Dachterrasse des Yenidze-„Kuppelrestaurants“

Nach einer anstrengenden Woche und einem nervenaufreibenden Vormittag stand der Freitagnachmittag bei gefühlten 30 Grad (tatsächlich waren es nur 25) unter dem Motto „Rien ne va plus!“. Ich wollte, konnte nur noch chillen. Praktischerweise weilt gerade meine Mutter zu Besuch, so dass das Thema Babysitter zur Abwechslung mal keines war.
Mein Mann holte mich in meinem Büro ab, und gemeinsam radelten wir über die Marienbrücke zur Yenidze.
Kuppel und „Minarett“ (eigtl. Schornstein) der Yenidze, Dresden. Foto: Johannes Klein, CC-BY-SA 2.0 de.

Kuppel und „Minarett“ (eigtl. Schornstein) der Yenidze, Dresden. Foto: Johannes Klein, CC-BY-SA 2.0 de.

(Ob man mich für verrückt erklärt, wenn ich gestehe, dass dieses Gebäude zu meinem Entschluss beitrug, hier zu studieren? Denn als ich 1994 zum ersten Mal vor dem damals noch unsanierten Bauwerk stand, wollte ich unbedingt wissen, wie dieses Kleinod in herausgeputztem Zustand aussehen würde. Noch heute freue ich mich jedes Mal, wenn ich daran vorbeifahre und die farbenprächtigen Fassaden-Azulejos sehe.)

*

Die Dachterrasse des dortigen Kuppelrestaurants gehört definitiv zu jenen Orten, an denen sogar eingefleischte Dresdner die Schönheit der Stadt mit neuen Augen schätzen lernen.

Dachterrasse des Yenidze-„Kuppelresturants“.

Dachterrasse des Yenidze-„Kuppelresturants“.

Leider scheint man sich von Betreiberseite vor allem auf Touristen eingestellt zu haben, denn nur diesen kann es egal sein, wenn Servicepersonal derart unfreundlich und unbedarft auftritt. Weiterlesen

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